Heinz Keim wurde 1939 geboren und damals war der Zugang zum Reitsport, zu den Pferden noch ein ganz anderer. Sein Vater kam 1950 aus der Kriegsgefangenschaft nach Hechtsheim zurück und ging neben seiner Arbeit bei Opel erste Schritte in der Landwirtschaft. Dafür wurde ihm ein vierjähriges Pferd zur Verfügung gestellt, das vor seinem Einsatz in Kartoffel- und Spargelfeldern noch eingefahren werden musste. Der damals zwölfjährige Heinz verfolgte weitergehende Interessen, er stieg auch in den Sattel und kam so zum Reitsport. Der Reit- und Fahrverein 1929 Mainz-Hechtsheim wurde sein sportliches Zuhause, zahlreiche Pferde ritt er für andere Besitzer, konnte manche sogar gewinnbringend weiterverkaufen. Mit 18 Jahren wurde Heinz Keim Süddeutscher Vize-Meister in Dortmund, fing in kleinem Maße an, zu züchten, doch der Beruf nahm immer mehr Zeit ein, die Pferde blieben ein Hobby – zunächst. 1976 fand Heinz Keim nach langen Jahren in Hechtsheim ein geeignetes Gelände in Stadecken-Elsheim, um einen eigenen Stall aufzubauen. Die Reitanlage Selztalhof entstand, der RV Marienhof Selztal zog ein, Stall und Halle waren teilweise verpachtet. Heute ist ein Teil der Reitanlage verkauft, auf dem anderen Teil hat sich der Ponyclub Selztalhof etabliert und weiter vergrößert, den Tochter Sandra mit einem Team betreibt.

Schon Ende der 70er Jahre trat Heinz Keim in den Vorstand des Hechtsheimer Reitvereins ein und setzte sich fortan vor allem für den rheinhessischen Turniersport ein. Die bestmöglichen Bedingungen für die Reiter, das war stets sein Bestreben. Zehn Jahre später holte ihn der rheinhessische Regionalverband an Bord. Heute ist Heinz Keim Zweiter Vorsitzender, auch im Pferdezuchtverband aktiv und ein Macher. Kaum eine Ehrung bei der Rheinhessenmeisterschaft läuft ohne ihn ab, er ist engagiert und mischt in vielen Belangen mit – manchmal auch vehement und gegen Widerstände, doch auf seine Erfahrungen lässt er nichts kommen. 2014 zeichnete die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) ihn mit der Dieter-Graf-Landsberg-Velen-Medaille in Bronze aus, in Anerkennung für seinen Einsatz im Sport und in der Zucht.

Die Förderung der jungen Reiter lag Heinz Keim immer am Herzen. Zunächst trainierte er seine Tochter Sandra, die zweimal bei der Deutschen Jugendmeisterschaft ritt, sowie Kirsten Heinemann, die Deutsche Meisterin im Vierkampf wurde. Mit seinem Pferd Gordon – aus eigener Zucht – startete er 65-jährig noch in A-Springen, stellte den Wallach darüber hinaus über die Jahre zahlreichen Reiterinnen im Nachwuchsbereich zur Verfügung. Heute unterstützt er hauptsächlich seine Enkelin Franka. Zum einen mit Pferden aus der eigenen Zucht, zum anderen mit Wissen und Erfahrung, denn Franka ist mit ihren 15 Jahren auf dem besten Weg, in die Fußstapfen des Opas zu treten. Auch mit knapp 80 Jahren steht Heinz Keim fast jeden Morgen im Stall und einmal die Woche, da wird geritten. Meistens mittwochs besteigt er mit einer Haushaltsleiter den großen Charly – natürlich ebenfalls aus eigener Zucht – und reitet bei gutem Wetter eine Runde ins Gelände.

Eva Schaab