VERBANDSMEISTERSCHAFT RHEINHESSEN DRESSUR- SPRINGEN 2014

Eine gelungene Meisterschaft, bei der wieder einmal alles passte. Eine perfekte Anlage, eine passende Zeiteinteilung, gute Leistungen auch wenn nicht jeder mit sich zufrieden war. Endlich das Wetter, das sich alle gewünscht haben, nach dem großen Reinfall im letzten Jahr an diesem Termin und sogar noch beim zweiten Anlauf im Oktober. Der Vorstand kann zufrieden sein.

Es war wieder das bewährte Konzept, einer Meisterschaft an drei Tagen und man will versuchen, diese Dreiteilung beizubehalten. Die Reiter mussten nicht so früh aufstehen und kamen früher wieder in den heimischen Stall zurück. Die Tage verliefen ohne Stress, außer vielleicht für die Organisatoren, und durch die Meisterehrung an drei Tagen mussten nicht alle Sieger und Platzierten am letzten Tag mit ihren Pferden noch einmal anreisen.

Der erste Tag war in der Hauptsache für die Mannschaften reserviert. In diesem Jahr waren es leider nur fünf aber wenn man weiß, wie viele Probleme anfallen können, bis man geeignete Teilnehmer für Springen und Dressur zusammen hat, kann das nachvollziehen. Pferd oder Reiter können ausfallen und so ist es durchaus erklärlich, wenn Vereine, die früher stark vertreten waren, an diesem Wochenende fehlten. Es gibt allerdings noch die Möglichkeit jeweils einen Spring- und Dressurreiter aus einem befreundeten Verein mit in die Mannschaft zu integrieren. Mancher Dressurreiter hat sich auch im Springen eingesetzt und umgekehrt, nur damit man mit einer Mannschaft aufmarschieren konnte.  

Auf alle Fälle war der Donnerstag der Turniertag mit dem stärksten Zuspruch und der besten Stimmung. Die Mannschaften hatten ihre Fans mitgebracht und natürlich waren Oma und Opa ebenfalls gekommen, um ihre Reiter zu motivieren. Selten waren so viele Zuschauer am Dressurviereck und begeistert wurde jeder Ritt beklatscht. Noch lauter ging es auf dem Springplatz zu, denn da konnte jeder die Leistung leicht nachvollziehen.

Der Springplatz war zur Siegerehrung voller Reiter und an der Bande feierten lautstark die dicht gedrängten Zuschauer jedes Mal die Ankündigung ihrer Mannschaft. Kai Motzkus hatte wieder die Aufgabe übernommen, durch das Turnier zu führen. Wortgewandt und mit dem nötigen Fachwissen kamen seine Kommentare vom Richterturm. Er fand auch die tröstenden Worte, wenn mal ein Springreiter unfreiwillig vom Pferd steigen musste.

Neben den Mannschaften hatten am Donnerstag die Reiter der Leistungsklasse 0/5/6 zu ihrer ersten Wertungsprüfung anzutreten. Wer hier schon zwei Pferde zum Einsatz bringen konnte, musste sich nach der ersten Wertungsprüfung entscheiden, welches Pferd für die Meisterschaft gesattelt werden soll. Manchmal keine leichte Entscheidung.

Samstag und Sonntag nur Sonnenschein, einige der Zuschauer suchten sogar nach Schatten und am Getränke Ausschank stieg der Umsatz. Insgesamt über 100 Helfer hatte Günter Scholles eingesetzt, angefangen vom Einweiser für die Fahrzeuge und Hänger, Schichtarbeit in der Restauration, Läufer für die Ergebnisse zwischen Turnierplatz und Meldestelle, Helfer auf dem Springplatz um nur einen Teil davon zu nennen. Er selbst immer im Mittelpunkt und bemüht, eventuelle Wünsche schnell zu erfüllen.

In diesem Jahr stellte zum ersten Mal Willi Schaffner die Hindernisse den Reitern in den Weg. Er konnte sich noch erinnern, dass er vor einigen Jahren hier selbst am Start war. Obwohl er die meisten Reiter nicht kannte, gelang es ihm, sich schnell auf deren Springvermögen einzustellen. Besonders hilfreich bei den Entscheidungen für Mannschaften, denn mit technischen Schwierigkeiten filterte er gekonnt die besten Springreiter heraus. Wie in anderen Prüfungen setzte er dabei die Zeit so weit runter, dass die Reiter gezwungen waren das vorgeschriebene Galopp Tempo einzuhalten. Dabei fällt leicht eine Stange, wer die Alternative des weiteren Wegs bevorzugte, lief Gefahr einer Zeitüberschreitung.

Willi Schaffner, der am Montag vor dem Turnier sich den Platz genau angeschaut hatte, plant weitgehend alle Prüfungen zu Hause, muss allerdings immer variieren, wenn sich Bedingungen ändern. Der Platz mit leichtem Gefälle stellt an den Parcoursbauer und die Reiter sowieso besondere Anforderungen.

Am Samstag also die Entscheidungen für die unteren Leistungsklassen und für die LK 4 sowie die LK 2/3 die ersten Wertungsprüfungen. Bei der Dressur war es etwas leichter, die potentiellen Meister schon zu erahnen. Beim Springen entscheidet oft das berühmte Quäntchen Glück. Fällt die Stange oder verweigert der Vierbeiner sind die Aussichten denkbar schlecht. Oder anders ausgedrückt, wer nicht fehlerfrei blieb hatte kaum Chancen auf das Treppchen zu steigen.

Meisterehrung um 16:30 Uhr und jetzt war vor allem Stephan Beyer gefragt. Nur keine Fehler, das wäre peinlich aber mit gekonnter Präzision lieferte er die Daten für den Ansager. Er war an allen Tagen der ruhende Pol und gab ehrlich zu, dass so ein ruhiges Turnier keine besondere Herausforderung für ihn bedeutet.

Günter Scholles kann nicht an allen Ecken sein aber wenn es klemmte war sofort Heinz Keim zur Stelle. Ein ungewöhnlicher Anblick, einen Herren mit dunkler Jacke und silbernem Schlips auf dem Traktor. Das Bild passt eigentlich besser auf ein großes Internationales Turnier irgendwo im steifen England, meinte einer. Geübt hat er zu Hause auf dem eigenen Platz und so bügelte er gekonnt die Unebenheiten auf Turnier- und Abreitplätzen aus.

Natürlich erschien Fritz Müller, der Vorsitzende des Rheinhessen Verbandes auf der Anlage, nicht immer selbstverständlich. Teilweise übernahm er es, die Meister zu ehren und ihnen zum Erfolg zu gratulieren. Auch seine Kleidung war, wie die des Traktorfahrers, für die meisten etwas ungewöhnlich. Er hatte extra einen feinen Sakko und sogar eine Krawatte mitgebracht. Dazwischen half er den Reitern beim Abgehen des Parcours und gab nützliche Tipps um Klippen zu umschiffen.

Nur die Leistungsklassen 4 sowie 2/3 mussten noch am Sonntag anreisen. Der frühe Starttermin der L-Dressur lockte viele Zuschauer an das Dressurviereck, denn die erste Springprüfung fing erst eineinhalb Stunden später an. Die Reiter haben sich sicher über den Beifall gefreut.

Das abschließende S-Springen mit Siegerrunde war als Zuschauer Magnet gedacht und 15 Reiter hatten sich in die Starterliste eingetragen. Am Ende beendeten fünf fehlerfrei den Parcours und durften im Stechen noch einmal antreten. Selbst der verkürzte Parcours hatte es noch in sich. Lena Kreling vorm RFV Rüsterbaum, die bei allen Durchgängen tolle Leistungen zeigte, brachte sogar zwei Pferde ins Stechen. Der beste Reiter ging als letzter an den Start was bei den Reitern sicher zu erhöhter Spannung führte. Lena schaffte es mit Callawaya erneut fehlerfrei den Parcours zu verlassen und diese Prüfung für sich zu entscheiden. Kathrin Müller vom RFV PZ Standenbühl landete mit 4 Strafpunkten auf Platz zwei vor Christoph Lamberth aus Viernheim und gefolgt von Sabrina Bartmann aus Worms Abenheim, die zwar die schnellst Zeit hatte, aber zwei Abwürfe.

Die letzte Meisterehrung pünktlich wie im Programm ausgedruckt. Simone Weil hatte dieses Mal nicht so viele Medaillen auf dem Tisch, aber ihr fiel sicher der größte Stein vom Herzen. Drei Tage Stress, drei Tage sah man sie immer zwischen den verschiedenen Plätzen hin und her flitzen. Selbst zum Stangen tragen war sie sich nicht zu schade. Sie hat sichtlich aufgeatmet, als Kai Motzkus zur letzten Ehrenrunde aufrief. Die vielen Arbeiten im Vorfeld hatten sich gelohnt, die Meisterschaft ist reibungslos und perfekt abgelaufen.

Jetzt konnte gefeiert werden und das bisher recht schwach besuchte Sekt Zelt füllte sich auf einmal mit Leben. Dietmar Rodewald konnte gerade noch alle Vorstandsmitglieder zu einem Gruppen Foto zusammen trommeln. Nur der Gedanke an die Heimfahrt und die Promille Grenze stoppte den Alkohol Konsum der Runde.

Fazit der Meisterschaft: Trotz mancher kurzfristiger Probleme, die glückicherweise noch rechtzeitig abgestellt werden konnten, eine ausgezeichnete Veranstaltung. Natürlich hat Petrus mitgeholfen und nur am Donnerstag einen leichten, kurzen Regenversuch gestartet. Bodenheim ein bekannt guter Gastgeber und tolle Leistungen der Reiter auf dem Dressurviereck und dem Springplatz.

 

Dietmar Rodewald

4.6.2014