Wer die Gonsenheimer kennt, weiß dass sie gern feiern. So haben sie kurzerhand im März ihr 85-jähriges Jubiläum begangen. Beim Fahrturnier hätten sie wieder einen Grund gehabt, denn es ist bereits das zehnte, das am 27./28. September ausgetragen wurde. Klein hat es angefangen, aber es hat sich schnell herumgesprochen, dass hier optimale Bedingungen für die Fahrer existieren. Theo Bopp, selbst international im Einsatz, hat hier seine Vorstellungen eines Fahrturnieres in die ganze Organisation einfließen lassen. Und so ist es bald weit über die Grenzen des Verbandes hinaus gewachsen.

Vorsitzender Ferdi Werum meinte, wir haben in den zehn Jahren immer tolles Wetter gehabt und das traf auch in diesem Jahr zu. Am Freitag begannen schon die Aufbauarbeiten, die Hindernisse waren Wochen vorher geprüft und soweit notwendig repariert worden. Um den perfekt gemähten Rasen hätte vielleicht so mancher Hobby Gärtner den Verein beneidet.

Erkennungsmerkmal aller Gonsenheimer Reiterveranstaltungen sind die tuckernden Stromaggregate. Es fehlt an Stromleitungen, sowohl beim Osterturnier im Gonsenheimer Wald als auch hier im Gonsbachtal. Aber darin hat der Verein Routine und sollte wirklich einmal der Strom ausfallen, wird man nicht nervös und meist ist einfach der Sprit ausgegangen.

Die Geländestrecke ist die gleiche geblieben und dreimal zu verschiedenen Zeiten lud der 2. Vorsitzende Theo Bopp die Fahrer zu einer Besichtigungsfahrt auf den Anhänger ein. Der erste Teil der Strecke, die sogenannte Aufwärmphase, beträgt 2,800 Meter und wird im Schritt oder Trab gefahren. Die vorgegebene Zeit muss eingehalten werden. Wer zwei Minuten schneller ankommt oder die Zeit um zwei Minuten überschreitet bekommt Strafpunkte. Es folgt eine zehnminütige Zwangspause mit einer ärztlichen Kontrolle, alle Vierbeiner waren fit. Anschließend die Geländestrecke von 3,800 Meter mit vier Hindernissen, ein Hauptanziehungspunkt der Zuschauer. Die Fahrer müssen mit ihren Gespannen große Schleifen absolvieren und kommen immer wieder in die Nähe des Hauptplatzes zurück. Die Hindernisse sind so aufgebaut, dass die Zuschauer mit ganz kurzen Wegen die waghalsigen Fahrten zwischen den Pfosten erleben können, begleitet vom lauten Anfeuerungsgeschrei der Fahrer.

Die Rheinhessen Fahrer verloren sich im großen Feld der Starter aus allen Regionen. Viele kamen aus dem Odenwald, aber die Pfälzer waren genauso vertreten wie Fahrer aus Wiesbaden, Kaiserslautern oder Dillingen um nur einige der Orte zu nennen. Dennoch, die Rheinhessen haben sich tapfer geschlagen. Die M-Dressur der Einspänner beherrschten fast komplett die Fahrer aus Rheinhessen. Angeführt wurde die Prüfung von Christina Balz aus Gonsenheim mit 409 Punkten. Nur sieben Punkte dahinter Michael Schwind für Framersheim am Start. Die Rollstuhlfahrerin Ivonne Hellenbrand aus Gonsenheim folgte auf Platz vier und wieder einen dahinter noch einmal Christine Balz mit ihrem zweiten Gespann.

Sophie Strom von Pfrimmtal Pfeddersheim konnte mit Smart Guy und vierten bis sechsten Plätzen noch ganz gut mithalten, nur im Gelände lief es bei ihr nicht so rund, aber da hatten alle Pony Fahrer ihre Schwierigkeiten.

Ähnlich erging es Heike Steinborn aus Ingelheim, dafür erzielte sie auf der Geländestrecke mit Adventure Hero die beste Platzierung der Fahrer aus Rheinhessen. Sicher nicht ganz einfach ist das Fahren für Ivonne Hellenbrand vom gastgebenden Verein. Nach einem Haushaltsunfall vor drei Jahren sitzt die ehemalige Berufsreiterin im Rollstuhl. Aber mit ihrem Hengst Mailänder hat sie nicht nur wieder in den Sattel zurückgefunden sondern sich auch mit dem Fahren angefreundet. Am besten schnitt sie beim Hindernisfahren ab. Werner Reis fehlte an diesem Tage das Quäntchen Glück und Pech hatte der Ingelheimer beim Geländefahren mit seinen beiden Ponys.

Die Gelände Strecke für die Einspänner war nicht leicht, besonders für die Ponys. Heike Steinborn, Ivonne Hellenbrand und Sophie Strom verfehlten vordere Plätze. Dafür holte sich Christine Balz bei den Großpferden mit couragierten Fahrten und viel Tempo in den Hindernissen mit ihren beiden Vierbeinern den ersten Platz.

Zusammenaddiert wird am Ende. Rheinhessen Meister bei den Pony Zweispännern wurde souverän  Christine Balz. Damit blieb der Sieg in Gonsenheim. Vizemeister Werner Reis vom Reitverein Ingelheim. Die Meisterschaft bei den Pony Einspännern ging mit Heike Steinborn ebenfalls nach Ingelheim. Hier wurde Sophie Strohm vom Reitclub Pfrimmtal Pfeddersheim Vizemeister und die bronzene Medaille ging erneut nach Gonsenheim an Ivonne Hellenbrand. Nette Geste der Platzierten, vom hohen Podest herabzusteigen. „Wir würden sonst auf die Rollstuhlfahrerin herabschauen und das wollen wir nicht“ war ihr Argument.

Große Ehrenrunde mit mehr als ein Dutzend Kutschen. Ein wunderschönes Bild im Spätsommerlicht. Besonderer Beifahrer bei Ivonne Hellenbrand ihre beiden Hunde Emma und Lukas, die diese Fahrt sichtlich genossen. Deutlich aufgeatmet haben sicher die Verantwortlichen des Vereins. Alles ist super gelaufen, keine Unfälle, viele Zuschauer besonders am Sonntag und guter Sport.

 

Dietmar Rodewald

01.10.2014